Die Gesundheitsfragen sind der wichtigste Teil jedes Antrags auf private Kranken- oder Zusatzversicherung. Was Sie hier angeben, entscheidet darüber, ob Ihr Schutz im Ernstfall wirklich trägt. Mit guter Vorbereitung ist das keine Hürde, sondern eine Stunde gut investierte Zeit.

Warum Versicherer so genau fragen

Eine Krankenversicherung kalkuliert ihre Beiträge auf Basis von Erfahrungswerten. Damit die Gemeinschaft der Versicherten fair behandelt wird, möchte der Versicherer wissen, mit welchem Risiko er rechnen muss. Deshalb fragt er nach Behandlungen, Diagnosen, Medikamenten und geplanten Untersuchungen innerhalb bestimmter Zeiträume. Das ist kein Misstrauen gegenüber Ihnen persönlich, sondern Grundlage jedes Vertrags.

Rechtlich gilt die vorvertragliche Anzeigepflicht: Alle Fragen, die in Textform gestellt werden, müssen Sie vollständig und wahrheitsgemäß beantworten. Was nicht gefragt wird, müssen Sie nicht von sich aus angeben. Dieser Grundsatz ist wichtig, denn er schützt Sie auch vor überzogener Vorsicht.

Was bei falschen Angaben passieren kann

Je nach Verschulden kann der Versicherer vom Vertrag zurücktreten, ihn kündigen oder rückwirkend anpassen, etwa mit einem Zuschlag oder einem Ausschluss. Bei arglistiger Täuschung kann er den Vertrag anfechten und bereits gezahlte Leistungen zurückfordern. Diese Rechte bestehen über Jahre nach Vertragsschluss. Stand: aktuelle Rechtslage – im Einzelfall prüfen.

Schritt für Schritt zu sicheren Angaben

Die meisten Fehler entstehen nicht aus böser Absicht, sondern weil sich niemand an jeden Arztbesuch der letzten fünf oder zehn Jahre erinnert. Eine Rückenbehandlung beim Orthopäden, ein einmaliges Gespräch beim Psychologen oder ein Rezept für Schlaftabletten geraten schnell in Vergessenheit. Genau deshalb lohnt sich ein strukturiertes Vorgehen.

  1. Zeiträume klären: Lesen Sie zuerst, für welche Jahre der Antrag fragt. Ambulante Behandlungen werden oft für drei bis fünf Jahre abgefragt, stationäre Aufenthalte und Psychotherapie häufig für längere Zeiträume.
  2. Unterlagen anfordern: Bitten Sie Ihre Krankenkasse um eine Übersicht der abgerechneten Leistungen und Diagnosen. Gesetzlich Versicherte haben darauf Anspruch.
  3. Mit Ärzten abgleichen: Wenn die Kassenübersicht Diagnosen enthält, die Sie nicht nachvollziehen können, fragen Sie in der Praxis nach. Manchmal werden Verdachtsdiagnosen kodiert, die sich später nicht bestätigt haben.
  4. Liste erstellen: Notieren Sie je Behandlung Zeitraum, Arzt, Diagnose, Therapie und ob die Beschwerden ausgeheilt sind.
  5. Antrag gemeinsam ausfüllen: Gehen Sie die Fragen Wort für Wort durch und übertragen Sie Ihre Liste. Bei Unklarheiten ergänzen Sie lieber eine Erläuterung.

Die häufigsten Stolpersteine

Aus unserer Beratungspraxis kennen wir einige Punkte, die immer wieder für Unsicherheit sorgen. Die folgende Übersicht hilft Ihnen, sie einzuordnen.

Typische Unsicherheiten bei Gesundheitsfragen und wie Sie damit umgehen
SituationWorauf Sie achten sollten
Diagnose in der Kassenübersicht, die Sie nicht kennenMit der Praxis klären, ärztliche Bestätigung einholen und im Antrag erläutern
Kurze psychische Belastung, etwa nach TrennungAngeben, wenn danach gefragt wird, und Verlauf sowie Abschluss der Behandlung beschreiben
Vorsorgeuntersuchungen ohne BefundJe nach Formulierung der Frage nicht anzugeben, im Zweifel nachfragen
Geplante Behandlung, etwa beim ZahnarztUnbedingt angeben, auch wenn sie noch nicht begonnen hat
Alte Sportverletzung außerhalb des ZeitraumsNicht anzugeben, sofern keine aktuellen Beschwerden oder Behandlungen bestehen

Vorerkrankungen sind kein Ausschlussgrund

Viele Menschen glauben, mit einer Vorerkrankung hätten sie keine Chance auf privaten Krankenschutz oder eine Zusatzversicherung. Das stimmt so nicht. Versicherer haben verschiedene Möglichkeiten, ein erhöhtes Risiko zu berücksichtigen.

Annahme ohne Einschränkung

Bei ausgeheilten oder geringfügigen Beschwerden wird der Antrag oft zu normalen Bedingungen angenommen.

Risikozuschlag

Ein Aufschlag auf den Beitrag, dafür ist die Vorerkrankung vollständig mitversichert.

Leistungsausschluss

Eine bestimmte Erkrankung wird ausgeschlossen, der übrige Schutz bleibt bestehen.

Welche Lösung für Sie besser ist, hängt von der Erkrankung ab. Ein Ausschluss für eine einmalige Kniespiegelung ist oft gut tragbar. Ein Ausschluss für eine chronische Erkrankung des Herzens dagegen würde gerade das Risiko offenlassen, das Sie am meisten absichern möchten.

Die anonyme Risikovoranfrage

Haben Sie Vorerkrankungen, raten wir zu einer anonymen Risikovoranfrage. Dabei schildern wir dem Versicherer Ihre Gesundheitssituation ohne Namen und erhalten eine unverbindliche Einschätzung. So vermeiden Sie, dass eine Ablehnung gespeichert wird, und wissen vor dem eigentlichen Antrag, woran Sie sind. Diese Vorarbeit kostet etwas Zeit, verhindert aber unangenehme Überraschungen.

Ein Antrag, der mit Sorgfalt ausgefüllt wurde, ist im Leistungsfall Ihre beste Absicherung. Die Zeit, die Sie vorher investieren, sparen Sie später doppelt.

Häufige Fragen

Wenn der Antrag nach Behandlungen durch Behandler aller Art fragt, ja. Viele Formulare schließen Heilpraktiker, Physiotherapeuten und Psychotherapeuten ausdrücklich ein. Lesen Sie die Frage genau.

Bis zur Annahme des Antrags müssen Sie neue Umstände nur nachmelden, wenn der Versicherer ausdrücklich danach fragt. Im Zweifel klären wir das gemeinsam mit Ihnen.

Wir helfen beim Verständnis und beim Formulieren, die Angaben selbst stammen aber immer von Ihnen. Sie unterschreiben, dass sie vollständig und richtig sind.

Checkliste vor der Unterschrift

Zeiträume
Alle abgefragten Jahre berücksichtigt Pflicht
Unterlagen
Kassenübersicht und Arztberichte liegen vor
Erläuterungen
Unklare Diagnosen kurz erklärt und mit Datum versehen
Kopie
Ausgefüllten Antrag vollständig für die eigenen Unterlagen gesichert

Unser Rat

Nehmen Sie sich für die Gesundheitsfragen bewusst Zeit und füllen Sie den Antrag nie unter Zeitdruck aus. Ein sauber dokumentierter Antrag ist die Basis dafür, dass Ihr Versicherer später ohne Diskussion leistet.

Sie möchten Ihren Antrag sorgfältig vorbereiten oder vorab klären, wie Ihre Vorerkrankung bewertet wird? Wir beraten Sie kostenlos und unverbindlich, persönlich in Langenselbold, am Telefon oder per Video. Schreiben Sie uns, und wir melden uns innerhalb von 24 Stunden bei Ihnen.

Über den Autor

Poth & Poth oHG

Versicherungsagentur in Langenselbold

Unser Team in Langenselbold berät seit vielen Jahren zu privater Kranken- und Zusatzversicherung. Wir erklären Tarife verständlich und begleiten Sie vom Antrag bis zur Erstattung – vor Ort, am Telefon oder per Video.

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